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Wie wir Bibeltexte verstehen, hängt auch damit zusammen, wie wir miteinander reden und diskutieren. Welche Argumente lassen wir gelten? Manche Argumente kommen mir dabei wie theologische Taschenspielertricks vor, die wir zumindest hinterfragen sollten. Einige Beispiele:

Die Angst alles zu hinterfragen

Manchmal hinterfragt man seine eigene Meinung zu einem bestimmten Glaubensinhalt und bekommt dann von anderen Christen zu hören: „Wenn du das hinterfragst, dann kannst du ja gleich alles hinterfragen! Dann wissen wir ja gar nichts sicher!“ Natürlich wird das nur gesagt, weil man Angst hat, dass man sich grundlegend irren könnte. Also malt man das Schreckenszenario deutlich vor Augen: „Stell nicht solche Fragen, sonst verlierst du deinen Glauben“. Doch wenn ich sehe in was für grundlegenden Fragen die Pharisäer irrten, dann hätten sie gut daran getan sich manche Fragen ehrlich zu stellen.

Mit Gottes Möglichkeiten argumentieren

Immer wieder hören ich den Satz: „Oder glaubst du nicht, dass Gott das tun kann?“ Was nach einer logischen Fragen klingt, macht eigentlich keinen Sinn. Natürlich glaube ich das Gott „das“ (worum auch immer es gerade geht) tun kann. Aber das heißt ja nicht, dass er das auch tun will. Wenn jemand z.B. sagt dass alle Menschen in den Himmel kommen und ich glaube das nicht, könnte er mich fragen: „Glaubst du nicht, dass Gott es machen kann, dass alle Menschen gerettet werden“. Und natürlich glaube ich, dass Gott könnte, aber was er am Ende tut, ist damit ja noch nicht gesagt.

Rückschlüsse aus dem Superlativ

Die Autoren der Bibel gehen für unser Sprachgefühl recht freizügig mit absoluten Aussagen um. So kann Matthäus z.B. schreiben: „Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und ganz Judäa und alle Länder am Jordan und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.“ (Matthäus 3,5-6). Heißt dass, dass jeder einzelne Einwohner der Gegend sich taufen ließ und niemand zu Hause geblieben ist? Bin ich bibelkritisch, wenn ich glaube, das Matthäus lediglich sagen wollte, dass unfassbar viele Leute aus der Gegend kamen? Ich denke nicht. An einigen Stellen mag es wichtig sein, dass mit „Alles“ auch wirklich „Alles“ gemeint ist. Doch häufig müsste man einfach nur stinknormal fragen: „Was hätte ich sagen wollen, wenn ich das so formuliert hätte?“ Bei dem Beispiel aus Matthäus 3 hätte ich auf jeden Fall keine Aussage darüber machen wollen, ob nicht doch vielleicht jemand zu Hause geblieben ist. In diesem Beispiel scheint es nebensächlich, aber in vielen Diskussionen, führt eine Überinterpretation von scheinbar absoluten Aussagen auf den Holzweg.

Jetzt ist die maximale Wörteranzahl dieses Beitrags erreicht, aber natürlich gibt es noch viel mehr solcher nicht immer ganz zulässiger Argumente. Dazu evtl. in einem weiteren Beitrag mehr.

Silas Köhler
Silas Köhler

"Jesus ist für mich vor allem der Herr meines Lebens, weil ich immer wieder erfahren habe, wie viel Mist dabei rauskommt, wenn ich selbst versuche mein Leben zu meistern." Jg. 89. Studierender an der BTA Wiedenest. gelernter Tischler. Verheiratet mit Ute.