Bild mit vollständiger Quellenangabe anzeigen

Ich gehöre zu den Menschen die gerne Unterschiede betonen, Denkfehler finden und Fragen aufwerfen. Ich möchte erkennen, was Jesus möchte und was nicht.

»Verurteilt niemand, damit auch ihr nicht verurteilt werdet. Denn so, wie ihr über andere urteilt, werdet ihr selbst beurteilt werden, und mit dem Maß, das ihr bei anderen anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden. Wie kommt es, dass du den Splitter im Auge deines Bruders siehst, aber den Balken in deinem eigenen Auge nicht bemerkst? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ›Halt still! Ich will dir den Splitter aus dem Auge ziehen‹ – und dabei sitzt ein Balken in deinem eigenen Auge? 5 Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge; dann wirst du klar sehen und kannst den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen.« – Matthäus 7,1-5

Diese Worte sind wohl kaum allgemeingültig. Schon die nächsten Worte machen deutlich, dass es sehr wohl nötig ist andere Menschen zu beurteilen. Wer sind z.B. „die Säue“ (V. 6) vor die man keine Perlen werfen soll? Wer sind die „falschen Propheten“ (V.15), vor denen ich mich hüten soll? Und wie kann ich sonst jemanden an den „Früchten“ (V.17) erkennen? Und dennoch dieser Text: „Verurteilt niemanden“.

Es fasziniert mich, mit welcher Leichtigkeit beides häufig im Neuen Testament nebeneinander steht. So schreibt Paulus in 1.Kor 4,5a „Darum richtet nicht vor der Zeit“ und in 1.Kor 5,13 „Habt ihr nicht die zu richten, die drinnen sind?“. Gilt beides? Oder eins mehr als das andere? Oder lässt sich beides verbinden? Vielleicht. Doch ich meine, dass wir uns in der Lebenspraxis nicht einfach nur auf eine der beiden Aussagenreihen beziehen dürfen.

Einige sage: “Wir haben alle Fehler, also sollte lieber niemand irgendjemand ermahnen” Andere sagen: “Ich bin sicher auch nicht perfekt, aber jetzt geht es ja nicht um meinen Balken, sondern um deinen Splitter”.

Ermahnung ist wichtig. Sowohl Jesus als auch Paulus wollen, dass Christen sich gegenseitig ermahnen (und damit auch beurteilen). Aber nur wer ganz fest den eigenen Balken im Blick hat, kann es in rechter Weise tun. Der Balken ist eigentlich kein Wissen, sondern eine Erfahrung. Nur wer erfahren hat, wie sehr er sich selbst irren kann und wie viele Fehler und blinde Flecken er selbst hat, kann in richtiger Weise ermahnen. Die Schwierigkeit ist, dass wir unseren Balken nicht sehen. Würde ich ihn sehen, könnte ich sagen: Naja mein Nächster irrt in diesem Punkt und ich irre halt in diesem Punkt (mein Balken). Doch so stehen wir immer in der Gefahr unseren eigenen Balken zu unterschätzen oder klein zu reden. Doch wir müssen Jesus vertrauen, dass es ihn wirklich gibt, den Balken, auch wenn wir ihn nicht sehen. Das macht uns demütig mit den Splittern der anderen.

Stell dir vor Jesus würde dir jetzt alle deine Fehler zeigen, wie sehr würde das dein Denken und deinen Umgang mit anderen Christen, die irren, verändern?

Silas Köhler
Silas Köhler

"Jesus ist für mich vor allem der Herr meines Lebens, weil ich immer wieder erfahren habe, wie viel Mist dabei rauskommt, wenn ich selbst versuche mein Leben zu meistern." Jg. 89. Studierender an der BTA Wiedenest. gelernter Tischler. Verheiratet mit Ute.