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Es ist eine Sache, eine Glaubensgeschichte von Anfang bis Ende zu hören und sich damit des Wirkens Gottes gewiss zu sein, aber es ist eine ganz andere Sache, mit dem eigenen Leben am Anfang einer Glaubensgeschichte zu stehen, ohne den Ausgang zu kennen.

Diesen Umstand vergessen wir oft, wenn wir von den Glaubenshelden in der Bibel lesen. Wir kennen den Ausgang der Geschichte und kürzen sie innerlich auf den guten Ausgang ab. Aber damit verliert sie unbewusst an Lebensdramatik, weil wir das Wagnis durch den guten Ausgang betäuben. Denn wenn ich das Ende kenne, dann ist kein Glaubenswagnis mehr gefordert, dann ist aus dem existenziellen Augenblick Geschichte geworden.
Stellen wir uns einmal einige Geschichten der Bibel ohne das uns bekannte Ende vor, sodass sie da enden, wo das Glaubenswagnis als solches noch erlebt wird und die Geschichten mit einem abruptem „Halt! Jetzt muss dein Glaube gelebt werden.“ enden.

  • Lk 19, 2-3: „Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt.“ Halt! Jetzt muss dein Glaube gelebt werden.
  • Mk 10, 46-48: „Und sie kamen nach Jericho. Und als er aus Jericho wegging, er und seine Jünger und eine große Menge, da saß ein blinder Bettler am Wege, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Und als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an, zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und viele fuhren ihn an, er solle stillschweigen.“ Halt! Jetzt muss dein Glaube gelebt werden.
  • Mt 14, 15-16: „Am Abend aber traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Die Gegend ist öde und die Nacht bricht herein; lass das Volk gehen, damit sie in die Dörfer gehen und sich zu essen kaufen. Aber Jesus sprach zu ihnen: Es ist nicht nötig, dass sie fortgehen; gebt ihr ihnen zu essen.“ Halt! Jetzt muss dein Glaube gelebt werden.

Das „Halt!“ zeigt mir, dass jede Geschichte auch einmal ein Jetzt war und von Menschen gelebt werden musste, von Augenblick zu Augenblick. Das „Halt!“ führt mich aber auch in mein Leben, in mein Heute, in mein Hier und Jetzt mit meinen aktuellen Fragen und Problemen. Jetzt muss ich glauben, jetzt muss ich Gott vertrauen. Und dann wieder jetzt und wieder jetzt und jetzt und jetzt und in einer Stunde wieder jetzt usw. Wie soll ich das schaffen? Nimmt das denn kein Ende?

Halt! Nein, so nicht! Glaube passiert nicht im Verstand, nicht im Denken an Gott, und dies in jedem Augenblick, sondern in der Tat, nicht im Kopf muss es konkret werden, sondern in meinem Leben. Wenn der Glaube in mir zu einem Leben wird, ohne dass ich ihn herbeidenken muss, dann geht die Glaubensgeschichte weiter, dann steigt Zachäus auf einen Baum, dann ruft Bartimäus noch viel lauter, dann stellen die Jünger das Wenige, dass sie haben, Jesus zur Verfügung. Dann kommt der Glaube aus dem Herzen, dann ist er Leidenschaft, dann wage ich Schritte, dann glaube ich ohne Ende.

Burkhard Köhler
Burkhard Köhler

Verheiratet. 3 Kinder. Suche mir gerne immer wieder neue Projekte an denen ich tüfteln und denken kann.

  • Zachäus, durfte ich ja in der letzten Andacht erzählen,( https://youtu.be/6uzXW-wtQf8 ) lud nicht Jesus zuerst zu sich ein. Er hielt Ausschau vielleicht. Wohl auch: Er wollte Jesus, aber er versteckte sich auch. Und dann lädt Jesus sich zu Zach. ein. Hmm. Eine komische Theologie. Jesus lädt sich zu uns ein. Auch mal ein Gedanke!
    Was ich noch schön finde. Das weckt Glaube in mir, und ich sag Glaubensvoll JA!

  • „Wenn der Glaube in mir zu einem Leben wird, ohne dass ich ihn herbeidenken muss, dann geht die Glaubensgeschichte“ Jep!