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Jesus, wahrer Mensch und wahrer Gott, man glaubt oder ärgert sich an ihm. Ärgern kann man sich an Jesus vor allem auf zwei Arten.

Das Ärgernis an Jesu Hoheit

Sich an der Hoheit Jesu zu ärgern bedeutet sich zu ärgern, dass Jesus, der Mensch aus Fleisch und Blut, behauptet er sei Gott und mich auffordert ihn anzubeten.

Dieses Ärgernis betrifft mich, wenn ich nicht an Jesus glaube. In diesem Fall ist es eine unheimliche Provokation, dass Jesus sich selbst mit Gott gleichsetzt. Diese Göttlichkeit ist ihm ja keineswegs anzusehen. Er isst und trinkt und lebt und stirbt wie jeder Mensch auch. Auch heute ärgern sich Menschen an Jesus wegen seinem göttlichen Anspruch. Nicht, dass er nicht ein toller, vorbildlicher, einzigartiger Mensch war, vielleicht sogar ein von Gott gesandter Prophet, aber eben nur ein Mensch. Christen wie Nichtchristen bemühen sich bis heute dieses Ärgernis zu beseitigen. Nichtchristen leugnen den Anspruch Jesu und loben ihn gerne sprichwörtlich in den Himmel, um ihn so als tollen Menschen feiern zu können, ohne seine Göttlichkeit anerkennen zu müssen. Christen suchen nach Beweisen, die aus Glaube und Ärgernis eine Sache des Verstandes machen. Doch das Ärgernis ist nicht zu beseitigen. Weder zu leugnen, noch durch Beweise zu ersetzten. Stattdessen fordert Jesus, dass wir ihm vertrauen, dass er tatsächlich Gott ist. Beweise können uns zum Glauben führen, uns aber den Glauben nicht abnehmen.

Das Ärgernis an Jesu Niedrigkeit

Sich an der Niedrigkeit Jesu zu ärgern bedeutet sich zu ärgern, dass Jesus, der doch Gott ist, häufig so schwach und menschlich wirkt.

Wenn wir an Jesus glauben, verblasst das Ärgernis an seiner Hoheit, dafür begegnet uns ein neues Ärgernis. Das Ärgernis der Niedrigkeit. In der Theorie mögen wir alle meinen, dass wir Jesus treu sind, bis in den Tod und in Lobpreisliedern Zeilen wie „egal was du mir gibst, egal was du mir nimmst“ singen, doch wenn uns das Leid dann ganz persönlich betrifft kommen die Fragen: Warum eigentlich ich? Warum jetzt? Wozu soll das gut tun? Was ist wenn ich mich geirrt habe und Jesus ist gar nicht so mächtig? … gar nicht Gott Wie kann es sein, dass ich zu Gott gehöre, der mich liebt und allmächtig ist und mir so etwas schlimmes passiert. Warum greift Jesus nicht ein? Auch Petrus hatte geglaubt, dass er immer zu Jesus halten würde, doch in dem Moment der absoluten Niedrigkeit Jesu flieht er. Er ärgert sich daran, dass Jesus am Kreuz stirbt. Er hatte ihn doch für den Messias gehalten. Auch in Bezug auf dieses Ärgernis fordert uns Jesus auf ihm zu vertrauen, an ihn zu Glauben. Beide Ärgernisse kann der Verstand nicht auflösen, sie umgeben uns, bis Jesus in Herrlichkeit wiederkommt. Hier müssen wir täglich – am Ärgernis vorbei – in den Glauben durchdringen.

Quelle: Die Unterteilung stammt von Sören Kierkegaard aus seinem Buch „Einübung im Christentum“.

Silas Köhler
Silas Köhler

"Jesus ist für mich vor allem der Herr meines Lebens, weil ich immer wieder erfahren habe, wie viel Mist dabei rauskommt, wenn ich selbst versuche mein Leben zu meistern." Jg. 89. Studierender an der BTA Wiedenest. gelernter Tischler. Verheiratet mit Ute.