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Ich weiß zwar, wie ich mich fühlen „müsste“, aber ich tue es nicht. Doch ein Glauben ohne Gefühl hat keine Kraft. Darum suche ich Wege, das was ich glaube, auch zu fühlen. Drei kleine Beispiele:

Ich soll vergeben

Jesus verlangt von mir, dass ich anderen Menschen vergebe, so wie er mir vergeben hat. Doch dann tut mir jemand etwas Schlimmes an und ich soll ihm vergeben. Aber es fällt mir schwer. Die Schuld, die mir angetan wurde, fühle ich einfach viel stärker, als die Schuld die ich vor Gott habe. Was bringt es da zu bekennen, dass Jesus mir unendlich viel vergeben hat, wenn mich das eigentlich nicht berührt. Mein Weg: Ich versuche mir vorzustellen, dass ich das, was mir angetan wurde, Gott angetan habe (nur 100 mal so schlimm) und er mir dennoch vergeben hat.

Ich bin ein Sünder

Wenn Jesus mir so viel vergeben hat, dann muss das was ich getan habe, wirklich schlimm sein. Ich bin ein unendlich großer Sünder. Soweit die Theorie, aber häufig spüre ich davon nichts in mir. Mein Weg: Nur bei manchen Sünden erschrecke ich mich über mich selbst. Dann fange ich an, mich um mich selbst und meine Sünde zu drehen. Ich frag mich, was ich wohl tun kann, um das wieder gerade zu biegen und Jesus wieder in die Augen sehen zu können. Doch inzwischen habe ich begriffen, dass gerade die Situationen meines größten Versagens Chancen sind emotional zu begreifen, dass ich tatsächlich ein schrecklicher Sünder bin. Und dann begreife ich, was es heißt, dass Jesus mich liebt. Als er sein Leben für mich opferte, wusste er viel besser als ich in meinem schrecklichsten Versagen, wie sehr ich Sünder bin.

Schätze im Himmel

Jesus hat mir gesagt, dass ich Schätze im Himmel sammeln kann, wenn ich meine Schätze auf der Erde den Bedürftigen gebe. Diese Schätze im Himmel sind viel besser als aller Reichtum auf der Erde. Irgendwann habe ich gemerkt: Wenn ich das Jesus wirklich glauben würde, würde ich ja sofort alles verkaufen und fragen: Herr, wie viel muss ich behalten und wie viel darf ich spenden? – Doch weil ich die Schätze auf der Erde mehr liebe, frage ich mich meistens: Wie viel muss ich spenden, damit es reicht um Gott zu gefallen. Mein Weg: Immer wenn ich mir etwas wünsche (einen Schatz auf dieser Erde), dass ich nicht wirklich benötige, versuche ich mir vorzustellen, dass ich das Gleiche im Himmel haben werde. Nur 1000-fach so schön. Natürlich ist das irgendwie dumm, aber was nützt es zu glauben, dass Schätze im Himmel besser sind als hier auf Erden, wenn man das gar nicht fühlt?

Fazit

Ich wünsche mir von Gott, dass ich das, was ich glaube, auch fühlen kann. Es ist gut das Richtige zu bekennen, aber ob ich etwas glaube, zeigt sich in meinem Leben. Ohne Gefühl fällt mir das schwer. Nicht dass wir eine neue Lehre über Gefühl bräuchten, sondern wir brauchen das Gefühl selbst.

 

Silas Köhler
Silas Köhler

"Jesus ist für mich vor allem der Herr meines Lebens, weil ich immer wieder erfahren habe, wie viel Mist dabei rauskommt, wenn ich selbst versuche mein Leben zu meistern." Jg. 89. Studierender an der BTA Wiedenest. gelernter Tischler. Verheiratet mit Ute.

  • Ana

    Ein Glauben ohne Gefühl hat durchaus Kraft. Eine feste Überzeugung von dem, was wir nicht sehen und doch für real halten (Heb. 11:1) – also, unser Glauben – stammt aus Gottes Liebe, die in uns ist und die wir persönlich annehmen dürfen. Die Gefühle, die dabei manchmal erweckt werden, sind weder eine Bestätigung der Richtigkeit unseres Glaubens noch ein Indikator, wie stark unser Glauben gerade ist, sondern ein menschlicher Nebeneffekt. Auch „Gefühlslos“ in der Stille zu sitzen und dabei die Bibel ohne besondere Inspiration zu studieren ehrt Gott und bringt uns in der Beziehung mit ihm weiter. Lasst dir ermütigen: Heb. 12:3.

    Nicht das Gefühl sondern den Heiligen Geist brauchen wir in unserem Leben. Die Leidenschaft und Inspiration, die der Heiligen Geist uns als Christen schenkt, sind „Gefühlsechte“ Erlebnisse, die unser Glauben befestigen und uns ermütigen. Natürlich sollen wir uns nach einem Bewusstsein vom Heiligen Geist streben, das uns wiederum ein Gefühl gibt, mit Gott in Verbindung zu stehen.

    Wenn ich den Heiligen Geist nicht spüre, dann muss ich mich fragen: was steht mir gerade im weg, mein Herz komplett für Gott zu öffnen? (Heb. 12:1b) Welche Bereiche in meinem Leben habe ich gerade in der Hand, die eigentlich von Gott gesteuert werden sollen? Erlaube ich es mir, Gott 100% mit allem in mir und um mir hin zu vertrauen; bin ich Gott gerade in allen Lebensbereichen gehorsam; stehe ich offen für das, was er in meinem Leben tun möchte, oder verstecke ich mich gerade in einer Ecke weil ich das nicht wirklich möchte?

    Eine Versöhnung mit Gott und eine Offenheit vor Ihm bringt mit sich den Heiligen Geist.. und das Gefühl 😉

  • Adrian Percy Sentisco

    Glaube ohne Gefühl ist doch Glaube.
    Die Reformatoren wussten schon:
    sola fide, sola gratia, sola scriptura. Von sola sensus steht da nichts!

  • Michael Commichau

    Auch ich habe Schwierigkeiten, anderen zu vergeben. Zu vergeben, ist eine Entscheidung. Wenn ich dann bete „Bitte, verwirkliche meine Vergebung in meinem Herzen“, dann klappt es.