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Der eine glaubt an Jesus, der andere an Allah, der nächste glaubt an gar keinen Gott. Können nicht alle Recht haben? Können wir sagen, dass eine Religion Recht hat und eine andere nicht?

Wer das heute behauptet, wirkt altmodisch, engstirnig und vielleicht sogar gefährlich. Wir glauben lieber, dass alle Religionen gleich Recht haben. Die Idee, dass es keine absolute Wahrheit gibt, steckt tief in uns drin.

Manchen Menschen erzähle ich, dass ich glaube, dass Jesus Gottes Sohn ist und sie antworten als wäre ich nach meiner Lieblingsfarbe gefragt worden: „Wenn das für dich wahr ist und es dir gut damit geht, ist doch schön. Ich glaube halt was anderes.“ Man will mir sagen, dass man meine Ansicht toleriert. Das ist schön. Aber wenn ich dann sage, dass ich glaube, dass Jesus der einzige Weg zu Gott ist (Joh 14,6), halten die Leute mich für überheblich. Doch ist es nicht nur konsequent zu glauben, dass sich ausschließende Wahrheiten nicht gleichzeitig wahr sein können? Entweder ist Jesus der Sohn Gottes, der am Kreuz starb und von den Toten auferstanden ist, oder er ist es nicht. Beides gleichzeitig ist nicht möglich. An einem anderen Beispiel wird das deutlich: Du sagst, dass Geld auf deinem Konto gehört dir und ich sage es gehört mir. Naja, und weil ja alle Wahrheiten gleich wahr sind, nehm ich mir halt was von „meinem“ Konto.

Über Religionen kann man leicht philosophieren. Es bleibt zunächst ohne Folgen. Ob ich glaube, dass Allah, Jesus oder einfach alles Gott ist, hat zunächst keine Konsequenzen für mein Leben. Wem das Geld auf meinem Konto gehört, hat allerdings sehr wohl Konsequenzen für mich. Ich habe den Eindruck:

Die Idee, dass alle Wahrheiten gleich wahr sind funktioniert nur so lange, wie mich die Konsequenzen nicht merklich betreffen.

Sobald mein Geld vom Konto weg ist, würde ich nie sagen: Naja das ist halt deine Wahrheit. In der Praxis funktioniert das nicht. Warum sollte das bei Gott anders sein? Ist Gott für jeden Menschen so, wie dieser ihn sich gerade vorstellt?

Wir haben das Gefühl, dass wir auf religiöse Fragen keine definitiven Antworten geben dürfen. Als würden wir dem Anderen damit schon sein Recht auf eine eigene Meinung absprechen. Dabei ist es doch ein großer Unterschied, ob ich an Jesus glaube und darum andere Vorstellungen von Gott für unwahr halte, oder ob ich sage, dass deswegen niemand mehr anders glauben darf als ich. Wer bin ich, dass ich das sagen könnte? Kein Mensch ist besser und kann deswegen dem Anderen sagen, was gut für ihn ist. Aber angenommen, es gibt einen Gott und dieser Gott hätte den Menschen erzählt wer er ist, wären Menschen deswegen überheblich, weil sie davon reden?

Als Christ rede ich von Jesus als dem einzig wahren Gott, weil ich dem Zeugnis von ihm in der Bibel glaube. Dass andere Religionen gleichzeitig auch wahr sind, glaube ich nicht. Nicht weil ich andere Religionen nicht toleriere, sondern weil ich mich lächerlich machen würde, wenn ich sich ausschließende Wahrheiten gleichzeitig für wahr halten würde. Natürlich, ich bin nur ein Mensch und kann mich irren. Wenn es allerdings stimmt, dass Jesus Gott ist, wird das sowieso einmal für alle Menschen sichtbar und ich muss das niemanden aufzwingen. Dann werden sich alle Knie vor ihm beugen. Einige, weil sie es wollen und andere, weil sie es müssen (Phil 2,10).

Silas Köhler
Silas Köhler

"Jesus ist für mich vor allem der Herr meines Lebens, weil ich immer wieder erfahren habe, wie viel Mist dabei rauskommt, wenn ich selbst versuche mein Leben zu meistern." Jg. 89. Studierender an der BTA Wiedenest. gelernter Tischler. Verheiratet mit Ute.