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Bald ist wieder Ostern, ok erst mal Weihnachten, aber die Schokohasen, lauern schon in ihren Startlöchern und sind bereit die Weihnachtsmänner abzulösen.
Und Osterzeit heißt Fastenzeit. Die einen fasten Schokolade, die andern verzichten aufs Fernsehen und wieder andere auf jegliches Essen. Was steckt da eigentlich hinter?

Mir ist da letztens eine interessante Bibelstelle in Jesaja aufgefallen. Die Israeliten baten Gott, dass er endlich eingreift und sein Handeln sichtbar wird. Sie verzichten auf Vieles und nehmen so einiges an Entbehrungen auf sich, aber Gott sagt dazu nur:

„Nein, ein Fasten, wie ich es haben will,
sieht anders aus!
Löst die Fesseln der Gefangenen,
nehmt das drückende Joch von ihrem Hals,
gebt den Misshandelten die Freiheit
und macht jeder Unterdrückung ein Ende!
Ladet die Hungernden an euren Tisch,
nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf,
gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen
und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen!
Dann strahlt euer Glück auf wie die Sonne am Morgen und eure Wunden heilen schnell; eure guten Taten gehen euch voran
und meine Herrlichkeit folgt euch als starker Schutz.“ – Jesaja 58,6-8

 

Manche meinen vielleicht, dass Fasten bedeutet, dass man für eine begrenzte Zeit auf seine Privilegien verzichtet oder Fasten etwas mit der Gesundheit zu tun hat.
Fasten soll vielmehr die Dringlichkeit eines Anliegen vor Gott unterstreichen.
In dem Text geht es nicht darum die Fastenpraxis der Israeliten zu kritisieren, sondern er deckt auf, dass das Fasten nicht mit ihren Herzen übereinstimmt. Die Israeliten flehen um Gerechtigkeit, sind aber selbst ungerecht. Sie bitten um Frieden, sind aber streitsüchtig.
Ein Herz, das nach Gottes Gerechtigkeit trachtet, gibt sich nicht damit zufrieden, dass es ein paar Tage fastet und damit den Wunsch unterstreicht, dass es gerechter in seiner Umwelt zu gehen soll. Ein Herz, das nach Gottes Gerechtigkeit trachtet, zeigt sich vor allem in der Praxis.
Fasten ist keine gute Gelegenheit ein bisschen abzunehmen oder auf ein paar seiner Privilegien zu verzichten, sondern es ist das Flehen eines Menschen zu Gott, der merkt, dass er alles für seine Mitmenschen einsetzt, aber dennoch anerkennen muss, dass sich ohne Gottes Eingreifen nichts verändert.

Christian Wilker
Christian Wilker

"Jesus ist für mich gestorben und auferstanden, darum lebe jetzt nicht mehr ich, sondern er in mir." Jg. 89. Studiert Spanisch und Publizistik und Kommunikationswissenschaften in Berlin, ist mehr als glücklich verheiratet und arbeitet bei www.crioco.com.